Die Überflieger

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Persönlich – Interview
4. Juli 2013.

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SWISSVIEW - Die Überflieger
Interview: Roy Spring, Bilder: Miriam Pretzlaff, Swissview

Seit mehr als fünfzehn Jahren kennt man die spektakulären Luftaufnahmen von Swissview, die - unterdessen auch in High Definition erhältlich – die Schönheit der Schweiz zelebrieren. Seit Anfang Jahr sind die über 1700 Filme mit der Swissview-App auch fürs iPhone und iPad im App-Store von iTunes verfügbar. «persönlich» hat sich bei Pionier und Swissview-Unternehmer Marco Fumasoli nach den zehn besten Flugdestinationen der Schweiz erkundigt.

Platz 1: Aletschgletscher
«Das ist der schönste Anflug, den es im Alpenraum gibt. Wenn sich diese gigantische Arena auftut, wird alles um einen herum ganz still. Über das Aletschgebiet bin ich schon dreimal mit dem Helikopter geflogen. Wir sollten unser Unesco-Weltkulturerbe geniessen, solange es noch so aussieht wie heute. Es ist beängstigend, wie stark der Gletscher in den letzten Jahren schon zurückgegangen ist.»

Platz 2: Zürich
«Downtown Switzerland erlebt man hier aus einem völlig neuen Blickwinkel. Im Tiefflug nimmt man ungeahnte Strukturen wahr, und man erlebt eine Leichtigkeit, die einem im Feierabendstau entgeht. Von oben ist man der Realität entrückt. Das ist ein High, das süchtig macht – und eine Droge, die man selbst im coolsten Klub der Zwinglistadt nicht bekommt!»

Platz 3: Matterhorn
«Der Berg der Berge! Wie ein Monolith steht er da – als ewiges Symbol der Schweiz. Jeder kennt das Matterhorn aus der Zermatter Perspektive, doch kaum wechselt man den Blickwinkel, ist es nur noch ein anonymer Zacken. Vom Süden her steigt feuchte Luft auf, das ist typisch, wenn das Wetter umschlägt. Aus dem Helikopter erkennt man Dutzende von Bergsteigern, die wie Ameisen hinaufklettern – eine moderne Völkerwanderung.»

Platz 4: Luzern
«Der Touristenmagnet schlechthin! Luzern, das ist die Metropole von Disneyworld Switzerland – diesen Nimbus wird Zürich leider nie erreichen. Die mächtigen Raddampfer auf dem Vierwaldstättersee und der Pilatus im Hintergrund – was für ein Kontrast zu den Zürcher Pedalos vor dem Üetliberg! Kein Wunder, hat Friedrich Schiller Luzern als Ausgangspunkt für seine Tell-Saga über die Schweizer Geschichte gewählt.»

Platz 5: Alpstein
«Mein privater Hausberg! Den Alpstein kenne ich wie meine Westentasche. Das sind die Alpen im Miniformat, hier kann man auf kleinstem Raum alles sehen, was die hochalpine Welt zu bieten hat. Jede Faltung, jeder Grabenbruch erzählt die Geschichte von Millionen von Jahren. Tektonisch und geologisch ist der Alpstein etwas vom Fantastischsten, was es in der Schweiz zu sehen gibt. Und jede Stunde kommt eine Beiz – ein Segen für die Wanderer!»

Platz 6: Flughafen Zürich
«Der Luftraum über dem internationalen Flughafen ist eigentlich eine verbotene Zone, in die niemand ungestraft eindringen kann. Darum kennen wir ihn sonst nur durch das kleine Bullauge aus der Perspektive des Passagiers. Für einmal erleben wir ihn aber so, wie es nicht einmal die Piloten der grossen Maschinen kennen: Wie Möwen fliegen wir quer über die Start- und Landebahnen und rund um die Docks herum.»

Platz 7: Jungfraujoch
«Das ist der Eiffelturm der Schweiz, unser alpines Empire State Building! Alle kennen das Jungfraujoch, doch die meisten waren nie dort oben – ich selbst übrigens auch nicht. Aber es ist schon fantastisch, dass unsere Vorfahren eine Eisenbahn zur arktischen Sphinx auf ihrem Felsen gebaut haben. Die Aufnahmen aus dem Heli zeigen exemplarisch, was Swissview bedeutet: ein einzigartiges Porträt der Schönheit unseres Landes! Man kann sich vorstellen, dass jeden Moment ein Eisbär den Hang herunterrutscht. Aber der würde in der Schweiz abgeschossen – wie alle Problembären.»

Platz 8: Mythen
«Wollte man einen Klischeeberg bauen, dann müsste man den Grossen Mythen erfinden! Wie die Flosse eines Hais ragt der schroffe Granitfels in den Himmel. Doch der Hausberg der Luzerner, Schwyzer und Zürcher ist längst nicht so gefährlich, wie er aussieht. Er ist zwar steil, aber dennoch für die meisten Wanderer machbar. Zuoberst lockt das romantische Berghaus – schon von Weitem ist der Bratwurstgeschmack förmlich zu riechen.»

Platz 9: Val Roseg
«Mein Geheimtipp im Bündnerland und für mich eines der schönsten Täler überhaupt! Keine Strasse führt ins Rosegtal, das ist heile Welt pur – der Traum von unberührter Natur. Wer sich hineinbegibt, lässt die Zivilisation weit hinter sich, man fühlt sich wie John Wayne im Wilden Westen. Die Reise führt ohne Schnitt von Samedan über Pontresina durch das ganze Tal. Dort, wo die Wanderer umkehren müssen, fliegen wir weiter über den Corvatsch und die Bernina-Kette.»

Platz 10: Autobahnraststätte Gunzgen-Süd
«Ich bin ein grosser Fan von Autobahnen. Die pulsierenden Schlagadern sind das Sinnbild für unsere Sehnsucht nach Freiheit, aber auch für unseren Wahnsinn. Von oben erkennt man, wie sich der Asphalt durch die Landschaft schlängelt, man bewundert die angedockten Dörfer, überwindet rücken und verfolgt die Ein- und Ausfahrten. Man kann sich stundenlang mit den Blechkisten treiben lassen, ohne sich dabei eine einzige Sekunde zu langweilen.»

Marco Fumasoli 
Der 1951 geborene Zürcher war von 1990 bis 1994 Kreativdirektor des Schweizer Fernsehens und überarbeitete in dieser Funktion das Erscheinungsbild des Landessenders. Für das Programm Schweiz 4 erfand er zudem den «Schweiz-4-Ballon». Daraus entstand das Projekt Swissview mit Luftaufnahmen der Schweiz, das eine immer grössere Eigendynamik entwickelte. Zu seinen ersten Helikopterflügen startete der gelernte Jurist im Jahr 1997. Die mit meditativer Musik unterlegten Flugaufnahmen wurden im Nachtprogramm von Schweiz 4 sowie auf SF1, SF2, TSR und RSI ausgestrahlt und fanden immer mehr begeisterte Anhänger. Von 2007 bis 2012 war Swissview auch ein fester Bestandteil von HD-Suisse. (rs)

Mehr Swissness – mit Swissview
Die App von Swissview gibts kostenlos im iTunes-Store. Damit lassen sich über 1700 Filme auf dem iPad und iPhone betrachten. Neue Onlinefunktionen erlauben ein schnelles Download in HD, interaktives Navigieren auf der Schweizer Karte sowie eine detaillierte Untertitelung mit interessanten Zusatzinformationen. Durch das Gutschein-Code-System lassen sich die Filme verschenken – damit erhofft sich Swissview unter anderem auch Kooperationen mit Firmen, die auf den Faktor Swissness setzen.

Die gesammelten Filme sind auf DVD als über zweistündiger Zusammenschnitt und als neunteilige Serie mit über 26 Stunden Laufzeit erhältlich. Swissview ist auch als Blu-ray-Disc-Edition in High Definition mit detaillierter Untertitelung zu haben. Erste Episode: «Aletschgebiet/Berner Oberland». Demnächstauf dem Markt: «Zürich/Innerschweiz» und «Engadin».